ChiK - Häufig gestellte Fragen
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Die Erfahrung zeigt, dass Chemie im Kontext verschiedene Fragen provoziert.
Die folgenden Fragen bilden einen Auszug aus den Fragen, die auf Fortbildungsveranstaltungen und in Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern immer wieder gestellt werden:
- Bedeutet Chemie im Kontext eine Vermittlung von „weichgespülter” Chemie?
- Wie passt Chemie im Kontext zu den Lehrplänen?
- Wo liegt der Unterschied zwischen Projektunterricht und Chemie im Kontext?
- Wie verändern sich die Aufgaben von Lehrenden und Lernenden?
- Was bedeutet Selbstevaluation?
- Führt Chemie im Kontext zu einer Qualitätsverbesserung des Chemieunterrichts?
- Was sagen die Schülerinnen und Schüler?
- Was sagen die Lehrerinnen und Lehrer?
Bedeutet Chemie im Kontext eine Vermittlung von „weichgespülter” Chemie?
Nein, im Gegenteil!
Chemie im Kontext möchte bei den Schülerinnen und Schülern das selbstgesteuerte Lernen fördern und setzt zudem einen Schwerpunkt auf die aktive Einbindung der Lernenden und ihrer Vorerfahrungen in die Planung, was insgesamt einen hohen Anspruch an die Lernenden stellt.
Von den Schülerinnen und Schülern wird also neben der reinen Erarbeitung fachlicher Inhalte ein hohes Maß an Eigentätigkeit und Verantwortung für das eigene Lernen erwartet.
Viele Kontexte sind nur durch die Behandlung fachlich vertiefter Aspekte zu beantworten (z.B. Batterien: Redoxreaktionen, Umgang mit physikalischen Größen; Ozeane : Chemisches Gleichgewicht, z.B. Umkehrbarkeit, Le Chatelier).
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Wie passt Chemie im Kontext zu den Lehrplänen?
Chemie im Kontext orientiert sich nicht primär an der Fachsystematik, greift aber die zentralen und alle für die Schule geforderten chemischen Inhalte auf, wie eine Untersuchung der Lehrpläne und Richtlinien der einzelnen Bundesländer ergeben hat.
Trotzdem kann es natürlich sein, dass sich in einigen Bundesländern die Vorgehensweise bzw. Reihenfolge in Hinblick auf die Lehrplaninhalte etwas ändert, weil in einem Unterricht nach Chemie im Kontext die Inhalte dort vermittelt werden, wo es der jeweilige Kontext erfordert.
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Wo liegt der Unterschied zwischen Projektunterricht und Chemie im Kontext?
Ziel von Chemie im Kontext ist eine durchgängige Konzeption für ein anderes Lernen und Lehren!
Natürlich muss alles „Neue” erst einmal probiert werden; aber auf lange Sicht gesehen, ist es nicht im Sinne der Konzeption, von Zeit zu Zeit einen Kontext im Rahmen eines Projektunterrichts zu unterrichten.
Ziel ist eine durchgängige Orientierung an Kontexten und der Aufbau von Basiskonzepten mit allen Freiheiten in der methodischen Gestaltung, um u.a. die Eigentätigkeit und das selbstgesteuerte Lernen auf Seiten der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
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Wie verändern sich die Aufgaben von Lehrenden und Lernenden?
Chemie im Kontext möchte das eigenständige und selbstgesteuerte Lernen der Schülerinnen und Schüler fördern, damit zentrale Kompetenzen im Sinne einer „naturwissenschaftlichen Grundbildung (Scientific Literacy)”, aber auch im Sinne einer späteren Studierfähigkeit entwickelt werden können (z.B.: Wie strukturiere ich ein komplexes Problem? Welche Fragen können mit Hilfe der Wissenschaft Chemie untersucht werden? Wie präsentiere ich die Ergebnisse? ...).
Durch diese Schwerpunktsetzung auf die Eigentätigkeit der Lernenden, die dadurch aus ihrer eher passiven Rolle heraus kommen, fällt der Lehrkraft eine verstärkt moderierende und damit vielleicht auch weniger vertraute Rolle zu: Die Lehrkraft übernimmt die Rolle eines Lernbegleiters.
Selbstverständlich schließt aber Chemie im Kontext „traditionelle” Phasen im Unterrichtsverlauf nicht aus! In der Vertiefungs- und Vernetzungsphase kann z.B. ein Unterrichtsgespräch sehr sinnvoll sein.
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Was bedeutet Selbstevaluation?
Das Stichwort Selbstevaluation spielt in diesem Projekt eine wesentliche Rolle, ist aber eventuell missverständlich: Mit Selbstevaluation ist nicht gemeint, dass Lehrkräfte aufwändige statistische Erhebungen durchführen, sondern vielmehr, dass Maßnahmen (z.B. Fragebögen, Testaufgaben ...) angepasst und erprobt werden, um das Erreichen der eigenen Ziele zu verfolgen:
- Haben die Schüler tatsächlich das Gefühl, stärker ihre eigenen Ideen und Interessen einbringen zu können?
- Wie kann man eine Gruppenarbeit hilfreich unterstützen und welche Möglichkeiten gibt es, sie sinnvoll zu bewerten?
- Inwieweit gebe ich den Schülern Gelegenheit, den Unterrichtsgang mit zu steuern?
Es geht also u.a. darum, „Diagnosewerkzeuge” für selbst gewählte Aspekte der Unterrichtsgestaltung zu erproben, die natürlich auch über das Projekt hinaus sinnvoll eingesetzt werden können.
Kurzum, es geht primär darum, dass die Lehrkräfte etwas erproben, das ihnen selbst in der Unterrichtsvorbereitung, -durchführung und Reflexion hilft!
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Führt Chemie im Kontext zu einer Qualitätsverbesserung des Chemieunterrichts?
Chemie im Kontext setzt sich u.a. folgende Ziele:
- Steigerung des Interesses. Durch Behandlung von Fragestellungen aus der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler wird die Sinnhaftigkeit und zudem die Notwendigkeit der Beschäftigung mit der Chemie für die Lernenden offenkundig.
- Aufbau eines Konzeptverständnisses. Durch den Aufbau von nur wenigen zentralen Basiskonzepten erscheint den Lernenden die Struktur des Faches Chemie einsichtiger und überschaubarer, und die Vernetzung von Fachinhalten sollte erleichtert werden.
- Anwendbarkeit von Wissen im Alltag. Aus der Orientierung an den Theorien des situierten Lernens ergibt sich, dass die Lernsituation der Anwendungssituation möglichst ähnlich sein soll; daher orientieren sich die Unterrichtsinhalte an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler.
Das sagen die Schülerinnen und Schüler ...
- „Es hat Spaß gemacht, ohne den Lehrer selber etwas zu lernen.”
- „Die eigenständige Arbeit an sich war sehr abwechslungsreich. Ich habe mehr gelernt, als wenn wir das normale Unterrichtsschema durchgeführt hätten.”
- „Man hat, weil man sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen musste, viel verstanden und es hat auch Spaß gemacht so vorzugehen.”
... zu dem, was sie gelernt haben:
- ..., dass und welche Alternativen es zum jetzigen Auto gibt!
- Man lernt Arbeitsteilung, Koordination, ist quasi gezwungen verantwortlich zu sein, auch für Materialien.
... dazu, was Spaß gemacht hat:
- „...die Freiheit selbstständig zu tun, was man selber für richtig hält.”
- „selbst Vesuche entwickeln.”
- „Bezug auf Gegenwart und Zukunft. Beschäftigung mit umweltpolitischen Themen und modernen Techniken.”
- „Wissenschaftliche Beschäftigung mit Themen, die gesellschaftliche Themen der Zukunft sind.”
Das sagen die Lehrerinnen und Lehrer:
- „Man hatte überhaupt kein Problem mehr, Einstiege in den Unterricht zu finden, wiel die Schülerinnen und chüler immer wussten, was anstand oder wo sie stehengeblieben sind: eben wie in einem eignenen Projekt, mit dem sie sich identifizierten.”
- „Man hat zwischenzeitlich durchaus das Gefühl, man verstrickt sich in Einzelfragen und man kommt nur so langsam voran, aber nachher stellt man fest, dass man einfach schon eine ganze Menge geschafft hat.”
- „Die Erhaltung der Masse stand nicht mehr in Frage, nachdem das Konzept von den Atomen über den Kreislauf eingeführt wurde.”
- „Nach einer intensiven Durchsicht der Materialien musste ich feststellen, dass nicht nur meine Schülerinnen in dieser Reihe eine Menge lernen können, sondern ich auch.”
- „Ich habe den eindruck, dass meine Schüler das Thema sehr interessiert und auch leistungsschwache Schüler ganz gut bei der Sache sind.”
- „Ich wurde von Schülerinnen und Schülern aus der elften Klasse angesprochen: Warum machen die so was, und wir haben das nicht gemacht?”
- „Zuerst war das wohl viel Arbeit, aber wenn man dann sieht, mit wie viel Spaß und Motivation die Schüler bei der Sache sind, dann hat man von Stunde zu Stunde im Laufe der Zeit immer weniger vorzubereiten, weil die Sache dann läuft,... und wenn Schülerinnen und Schüler dann eine Frage stellen, die ivch auch nicht weiß, dann sage ich, das müssen wir gemeinsam rausfinden, ich habe auch noch kein Shampoo hergestellt. Und anschließend gucken wir bei Fehlern gemeinsam: Was hat nicht geklappt, woran könnte es gelegen haben!”