Erasmus+ im Jahresrückblick - das WGG unterwegs in der Mission Europa
Erasmus+ ist ein EU-finanziertes Bildungsprogramm, das in ganz Europa den Austausch von Lernenden und Lehrenden unterstützt und durch Fördergelder vielfältige Aktivitäten möglich macht. Nachdem sich das WGG im vergangenen Schuljahr für das Programm akkreditieren konnte, schauen wir heute glücklich zurück auf unser erstes, ereignisreiches Jahr mit Erasmus+.
September 2025. Wie legen los. Fürs Erasmus+ Team am WGG beginnt ein spannendes Jahr, denn wir planen unsere ersten Aktionen, knüpfen Kontakte und informieren das Kollegium und die Schülerschaft über neue Möglichkeiten, die uns das Programm bietet. Die erste mutige Lehrkraft, Christine Kribbel, wagt sich auf eine Auslandsfortbildung nach Dublin, während zuhause das Erasmus+-Team für das WGG eine Profilseite im „Erasmus+ Schul-Tinder“ erstellt: wir stellen uns und unsere Projektschwerpunkte auf einer internen Erasmus+-Seite vor und hoffen auf attraktive „Dates“ mit anderen europäischen Schulen, aus denen dann gewinnbringende Kooperationen entstehen können.
Oktober 2025. Das läuft! Unsere Partnersuche war ein voller Erfolg und wir steigen in die Planung für zwei neue Schüleraustausche ein: Eine Schule in Pilsen wird mit uns ein Kurzprojekt zu europäischen Werten und gemeinsamer Geschichte am grünen Band, der ehemaligen Grenzregion zwischen der Tschechischen Republik und Bayern, durchführen. Und wir haben sehr engagierte junge Kollegen und Kolleginnen aus der Nähe von Toledo in Spanien kennengelernt – mit ihnen und ihren Schülern wollen wir uns mit den Themen Ernährung und Nachhaltigkeit beschäftigen.
Januar 2026. Jetzt wird es spannend! Wir bekommen zum ersten Mal Besuch – die spanische Gruppe (16 Jugendliche und drei Lehrkräfte) stürmt mit typisch spanischer guter Laune und Lebendigkeit unsere Schule. Wir erleben gemeinsam bei klirrender Kälte eine wunderschöne und aufregende Woche rund um unser Thema „Where our food comes from“, wo wir uns mit kulturellen und ökologischen Aspekten der Ernährung in Spanien und Deutschland beschäftigen. Highlights dabei sind ein Lebkuchen-Workshop in Nürnberg sowie das gemeinsame Kochen am Haus am Habsberg, wo wir alle zusammen die Küche wild und fröhlich besetzen, um ein nachhaltiges bayerisch-spanisches Menü zu zaubern: Kässpätzle trifft Tortilla, Torrijas trifft „Arme Ritter“… sehr lecker! Aber auch das gemeinsame Eislaufen oder die vereiste Stadtführung in Regensburg bei -11 Grad werden sicher allen in Erinnerung bleiben. Zur Fotostrecke geht's hier.
Februar 2026. Wir bilden uns fort. Der Umgang mit Fördermitteln will gelernt sein – zwei Kolleginnen aus dem Erasmus+ Team verbringen ein paar Tage auf Fortbildung, mit dem Ziel, im Dschungel der Förderanträge und der digitalen Abrechnungs- und Dokumentationstools den Durchblick zu bekommen. Und – oh Wunder! – am Ende der drei intensiven Tage erscheint uns das Thema „Finanzierung“ zumindest so halbwegs verständlich.
März 2026. Český týden – tschechische Woche! Eine turbulente deutsch-tschechische Intensivbegegnung macht uns schlagartig klar, wie viel wir mit unseren östlichen Nachbarn gemeinsam haben. Die 13- und 14-Jährigen der „11. Grundschule“ in Pilsen fühlen sich bei uns sofort wie zuhause, ob auf der Kaiserburg oder beim Shopping in Nürnberg, beim Klettern in der DAV-Halle oder in der Schule: den neumarkter Jugendlichen wird gleich klar, dass diese vermeintlich fremden Jungen und Mädchen dieselbe Musik hören, sich gleich wie sie kleiden, dasselbe über Schule denken… und so fährt die gesamte Gruppe nach zwei Tagen in Neumarkt gut gelaunt nach Pilsen, wo wir Bayern uns mit der tschechischen Lebensart und auch der bayerisch-tschechischen Geschichte befassen werden. Auf beeindruckende Weise erarbeiten Mitarbeiterinnen der NGO „Post Bellum“ aus Prag anhand von historischen Biographien mit den Jugendlichen, wie eng die Kultur- und Naturräume Bayerischer Wald und Böhmerwald vor dem zweiten Weltkrieg verknüpft waren. Es wird klar, wie wichtig es ist, dass wir uns immer wieder um Frieden und Zusammenarbeit in Europa bemühen, damit eine schmerzliche künstliche Trennung wie die durch den Eisernen Vorhang im kalten Krieg nie mehr geschehen kann. Am meisten rührt uns alle eine Ortsbegehung an der ehemaligen Grenze, wo wir eine Art „Lost Place“ besuchen, die Spuren eines einstigen Dorfes, das für die Sperrzone verlassen werden musste. Kuriose Geschichten über „Pascher“, also Schmuggler, und andere Grenzgänger, die sich zu allen Zeiten, auch während der Sowjetherrschaft, an der Grenze herumgetrieben haben, inspirieren uns zu wilden Spekulationen – und zeigen uns einmal mehr: man kann Grenzen errichten, aber das, was zusammengehört, wird nie völlig getrennt sein. Und das ist auch die Botschaft, die wir mitnehmen, als wir nach einem abschließenden Besuch im wunderschönen Prag wieder den Zug nach Neumarkt besteigen.
In diese Podcasts zum Austausch mit Tschechien könnt ihr mal reinhören:
Grenzgeschichte
Bilder vom Gegenbesuch bei uns in Neumarkt, als wir Nürnberg besuchten:

April 2026. Auf in die Sonne! Während in Neumarkt der Frühling erst zaghaft Einzug hält, zieht die Gruppe der Spanienfahrer los in den Süden. Dort erleben wir alle Dimensionen spanischer Lebensart: Ein paar Minuten zu spät in der Schule? Macht nix. Um elf abends nach dem Abhängen am Dorfplatz ins Bett? Nein, jetzt muss es ja erst mal was „Kleines“ zu essen geben, vorzugsweise fleischlastig, frittiert und sündhaft lecker. Der Bus kommt zu spät? Egal, wir tanzen und singen an der Bushaltestelle. Und die Sonne scheint dazu! Die Gastschule erscheint unseren Schülern ziemlich „gechillt“, alle Lehrer werden mit Vornamen angeredet und man kann sich viele Lerngelegenheiten selbst auswählen. Wir Lehrkräfte sind beeindruckt davon, dass die Atmosphäre an der „IES Arcipreste de Canales“ trotz der ethnisch und sozial äußerst inhomogenen Schülerschaft von Respekt und Vertrauen geprägt ist. Das extrem hohe persönliche Engagement des sehr jungen Kollegiums, zum Beispiel in diversen Wahlangeboten für die Pausen, trägt ganz augenscheinlich Früchte. Im Punkto Inklusion und Chancengleichheit können wir hier gute Tipps und Anregungen mitnehmen. Unser Projektfokus, Nachhaltigkeit, wird vor allem in einer Gruppenrallye Thema: die spanischen Schüler haben für uns spielerische Stationen zu den 17 globalen Zielen der Nachhaltigkeit der UN erstellt, die sich neben dem Bildungseffekt als wahre Eisbrecher erweisen. Zusammen Wettkämpfe zu bestreiten ist lustig und fördert den Gruppenzusammenhalt, vor allem bei so schrägen Disziplinen wie dem Balancieren wassergefüllter Ballons auf dem Kopf. Aber auch bei den Stadtbesichtigungen in Toledo und Madrid bleibt das Thema Nachhaltigkeit im Blick, zum Beispiel wenn es um die Wasserqualität des Flusses Tajo geht oder um den Retiro-Park, Madrids grüne Lunge. Denn so gut uns die frühe, heiße Sommerwoche in Spanien tut, ist es uns danach absolut klar, dass gerade Spanien massiv vom Klimawandel betroffen ist und weiterhin sein wird. Wir lernen vor Ort, das als fundamentale europäische Aufgabe zu begreifen. Zur Fotostrecke geht's hier.
Mai 2026. Bleib einfach mal dort! Außer Schüleraustauschen bietet Erasmus+ auch die Möglichkeit, individuelle Schülermobilitäten zu unterstützen, und so lässt die Gruppe um Frau Mai nach dem Austausch in Issoire Mia Härtl, 11c, und Julian Lenk, 9b, für drei Wochen in Issoire zurück, „full immersion“, sozusagen. Die beiden wohnen in Gastfamilien, besuchen die Schule und lassen sich voll auf den Alltag in Frankreich ein. Die Begeisterung nach dem Aufenthalt ist groß, denn man hat die französische Kultur wirklich hautnah erlebt – das kann kein Urlaub bieten! Das ist europäische Begegnung in Reinform.
Juni 2026. Auf zu neuen Taten. Das Ende des alten Schuljahres steht voll im Zeichen der Planungen für das kommende. Zum Glück wurden uns wieder alle angeforderten Gelder bewilligt, wir können also wieder ein spannendes europäisches Programm anbieten. Mehrere Lehrkräfte sind bereits angemeldet für Fortbildungen im Ausland, zu Themen wie KI-Einsatz im Unterricht, Inklusion oder Sprachlernen, aber auch im Bereich der Schülermobilitäten wird viel geboten sein. So werden wir die erfolgreichen Kooperationen mit Pilsen und mit Toledo fortsetzen und es ist uns gelungen, den Austausch mit Issoire auch unter das Dach von Erasmus+ zu bringen, was eine finanzielle Entlastung der Teilnehmer dieser Fahrt zur Folge haben wird. Eine neue vielversprechende Partnerschaft mit einer Schule in der Donaustadt Russe wird uns nach Bulgarien führen, wo wir ein für die meisten von uns völlig unbekanntes Eck der Europäischen Union erkunden dürfen… wir freuen uns auf alle Aktivitäten, die da kommen.
Am Ende bleibt es mir, dem Erasmus+ Team zu danken für die vielen Stunden der Arbeit, der Schulleitung für die Unterstützung unserer Vorhaben und nicht zuletzt den Schülerinnen und Schülern, die den Mut beweisen, Europa mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern zu erkunden, und damit auch ein gemeinsames Europa der Zukunft zu gestalten.
Ingrid Wimmer fürs Erasmus+ Team

