Die Lehrer am WGG haben Warum Geschichte Gewählt?
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Fachschaft Geschichte Statements
zur Frage: Warum Geschichte Gewählt?
Roland Kleiner:
Weil mich Geschichte schon immer interessiert hat und ich glaube, dass man die Gegenwart besser verstehen kann, wenn man die Vergangenheit kennt.
Jana Ibler:
Geschichte finde ich einfach spannend - Erkenntnisse über Menschen, die oft nach ganz anderen Maßstäben und Grundwerten lebten und uns andererseits doch so ähnlich sind. Und auch wenn uns die Geschichte nicht alles verrät, was wir gerne über die Vergangenheit wissen möchten, so ist es doch genau dieses Rätselhafte, was für mich die Faszination ausmacht.
Martina Lang: 'Wer die Enge seiner Heimat begreifen will, der reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.' (Kurt Tucholsky) 'Die Geschichte kennt kein letztes Wort.' (Willy Brandt)
Susanne Sperber: liebt Geschichten sehr und zitiert Rudyard Kipling: „Wenn Geschichte in Form von Geschichten gelehrt würde, würde sie niemals vergessen werden.“
Christian Wurm: Die Antwort auf die Frage, warum ich mich gerne mit Geschichte beschäftige, ist dieselbe, die ich geben würde, wenn ich gefragt würde, warum ich Lehrer geworden bin: Weil mich Menschen interessieren. Es interessiert mich, worüber sie nachdenken/nachdachten, welche Ideen sie haben/hatten, was sie tun/taten und welche Fehler sie machen/machten – kurz, warum sie so sind, wie sie sind. Und ich glaube, dass der Mensch in seinem innersten Wesen heute kein anderer ist, als vor hunderten oder tausenden von Jahren.
Petra Seitz: Wer die Vergangenheit kennt und versteht, hat größere Handlungsspielräume und ein besseres Verständnis für Gegenwart und Zukunft.
Franz Xaver Beer: zitiert das Motto des historischen Vereins: „Mit der Vergangenheit vertraut, der Gegenwart verpflichtet, für Zukunft offen.“
Gleichwohl gilt auch: „Dass das Leben aber den Dienst der Historie brauche, muss eben so deutlich begriffen werden als der Satz, der später zu beweisen sein wird – dass ein Uebermaass der Historie dem Lebendigen schade.“ (F. Nietzsche: Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben; Kapitel 2: KSA 1, S. 258.)
Wilfried Gelo: Dass ich gerne Geschichte unterrichte, hat vor allem zwei Gründe. Erstens: Die Zukunft ist mithin eine schwierige Sache. Kennt man die Geschichte, dann lässt sich in Richtung Zukunft fundierter handeln, weil man auf die Erfahrungen und Entscheidungen vieler Generationen und Kulturen aufbauen kann. Zweitens: Man versteht aber auch die eigene Gegenwart und damit sich selbst besser. Schließlich gewinnt man über historisches Wissen auch Spielräume. Denn das, was man für selbstverständlich oder alltäglich hält, hatte dereinst eine gänzlich andere Gestalt oder existierte einfach gar nicht.
Ludwig Härteis: Die Beschäftigung mit Geschichte ist wie ein Blick in den Rückspiegel: Im Rückspiegel sehen wir, woher wir kommen. Man blickt aber nicht einfach nur zurück, sondern fährt dabei immer weiter, und von Kurve zu Kurve ändert sich das Bild. Man sieht, wie weit man schon gekommen ist, und manchmal auch sich selbst… (Zit. nach Rolf Schörken)
Stephan Kampe: Dicebat Bernardus Carnotensis nos esse quasi nanos gigantum umeris insidentes, ut possimus plura eis et remotiora videre, non utique proprii visus acumine, aut eminentia corporis, sed quia in altum subvehimur et extollimur magnitudine gigantea. Bernhard von Chartres sagte, wir seien gleichsam Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen, um mehr und Entfernteres als diese sehen zu können - freilich nicht dank eigener scharfer Sehkraft oder Körpergröße, sondern weil die Größe der Riesen uns hoch emporhebt. Sir Isaac Newton greift die vielfach überlieferte Sentenz 1675 in einem Brief auf und stellt so sein Projekt einer modernen Naturwissenschaft auf die Schultern seiner Lehrmeister. Im zitierten Geschichtsbewusstsein demonstriert er einerseits Bescheidenheit, indem er historische Vorleistungen würdigt – und andererseits Selbstbewusstsein, indem er sich eines festen Standpunktes versichert. Erst von dort aus kann er Überblick gewinnen, weiter schauen, mehr sehen, schließlich seine Ideen projizieren. Wir sehen heute wiederum schärfer als Newtons Optik es erlaubte, können den Grundgedanken dahingehend relativieren dass es nicht nur die Leistungen großer Männer sind, sondern gleichermaßen Irrtümer und Erkenntnisse, Verwerfungen und Aufbrüche, Einbrüche und Wiederaufbauten, also ganz vielfältig gelagerte Sedimente vergangener Kulturen und Sprachen, die den Boden unter unseren Füßen bilden und so jeden individuellen Lebensweg führen. Dass es mitunter sinnvoller wäre, wie der universal gebildete Isaac Newton wenigere, dafür vertieftere Grabungen anzustellen und die Gesteinsschichten genauer zu lesen, als sich über globale Grabungskompetenzen zu unterhalten oder durch flüchtige Probebohrungen unterhalten zu lassen, dies könnte ein historisches Standpunktbewusstsein auch im schulischen Areal fördern. Kurz: Geschichte, richtig verstanden, bringt Standpunktvorteile.
Bernhard Niebler: Geschichte unterrichte ich gerne, weil es erquicklich ist, Einsichten in das Heute aus dem Gestern herleiten zu können, weil es anregend ist, wenn sich das Heute –verflixt noch mal!- nicht aus dem Gestern erklären lassen will, sie einfach die spannendsten Geschichten erzählt.
Jürgen Wittl: zitiert Richard Weizsäcker wie folgt: „Das wichtigste soziale Ziel der Erziehung, und zwar im persönlichen wie im politischen Sinn, ist es, nicht Gegnerschaft zu lernen, sondern miteinander auszukommen, zusammenzuleben. Die ganze Kulturgeschichte der Menschheit ist durchzogen vom Aufbau und von der Weitergabe der mühsam angesammelten Erfahrung, wie man zusammenlebt.
Manuela Bernowsky: zitiert Richard von Weizsäcker mit den Worten: „Nicht das Erinnern, sondern das Vergessen bleibt die Gefahr.“